Es gibt zahlreiche erprobte didaktische Ansätze, um die literarisch-ästhetische Dimension von Sprache und Medien auch und gerade in den Kontexten von Deutsch als Zweitsprache (DaZ) fruchtbar zu machen. Doch sowohl in den Einführungspublikationen und Standardwerken zu DaZ als auch im „Rahmencurriculum für Integrationskurse – Deutsch als Zweitsprache“, der offiziellen Leitlinie des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) für die Gestaltung der Integrationskurse, finden sich so gut wie keine Hinweise auf diese Dimension von Sprache und Kommunikation. Diese Marginalität des Literarisch-Ästhetischen in DaZ liegt – so die These – an den sprach-, gesellschafts- und integrationspolitischen Rahmenbedingungen des Deutsch-als-Zweitsprache-Unterrichts, die ihm ein instrumentelles, an Eindeutigkeit ausgerichtetes Sprach- sowie ein essentialistisches Kulturverständnis verordnen und damit den DaZ-Unterricht in seinen Möglichkeiten entscheidend beschränken. Demgegenüber kann die Auseinandersetzung mit literarischer Textualität und ästhetischer Medialität für Komplexität, Mehrdeutigkeit, Ambiguität und eine Sprache ‚in Bewegung‘ sensibilisieren. Sie lädt zur Kreativität ein und öffnet neue Reflexionsräume; und kann auf diese Weise von Anfang an zu einer erweiterten sprachlichen Handlungsfähigkeit beitragen. Die Beiträge des Bandes zeigen in diesem Sinne Wege auf, wie die Beschäftigung mit Literatur und (weiteren) ästhetischen Medien Lernenden Zugänge zum „full meaning making potential of language“ (Claire Kramsch) eröffnen und sie dabei unterstützen kann, in der fremden Sprache eine eigene Stimme auszubilden. Dies wäre auch wichtig mit Blick auf die Gesellschaft, die auf das kreative und transformatorische Potenzial aller Menschen – auch und gerade der neu hinzugekommenen – dringlich angewiesen ist.
Publikationstyp: Sammelband
Sparte: Universitätsverlag
Sprache: Deutsch
Beiträge
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1. Literarische Textualität und ästhetische Medialität in Deutsch als Zweitsprache (Seiten 3-20)
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2. Keine Grenze! (Seiten 21-25)
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3. Die Fachdidaktik Deutsch im Kontext einer Didaktik der Mehrsprachigkeit (Seiten 27-52)
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4. Bildungssprachlichkeit, Mehrsprachigkeit und Sprachlichkeit in der Literatur – am Beispiel Lyrik (Seiten 53-68)
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5. „Dadurch, dass ich in zwei Sprachen schreibe, entdecke ich ständig schwarze Löcher im Gewebe der Sprachen“ – Sprach- und Kulturreflexionen in Erzählungen Yoko Tawadas (Seiten 69-86)
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6. Poetische Mehrsprachigkeit in Graphic Novels – mehr sprachliche Bildung mit Graphic Novels (Seiten 87-107)
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7. „Und ich hab’ euch jetzt mal ottos mops auf Englisch mitgebracht“ (Seiten 109-122)
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8. Normalisierung versus Skandalisierung (Seiten 123-135)
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9. Reflexion von Sprache als Differenzkategorie in der postmigrantischen (mehrsprachigen) Literatur (Seiten 137-153)
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10. Literarisches Lernen als Weg zu sprachlicher Teilhabe (Seiten 155-172)
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11. Migration erzählen? (Seiten 173-220)



