Nach über 50 Jahren einer relativ stetigen Erweiterung und Vertiefung der europäischen Gemeinschaft zeigen sich in den letzten Jahren auch deutlich gegenläufige Tendenzen: Anhaltende Krisen im Euroraum stellen die Integrationstiefe infrage, das britische Votum zum Brexit zeigt, dass die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union nicht unauflösbar miteinander verbunden sind, und insgesamt hat sich das Verhältnis der Bürger zur Institution EU verschlechtert. In der Akademie Sitzung vom 13. Januar 2017 wurden Überlegungen zu diesen Entwicklungen aus politik-, wirtschafts- und rechtswissenschaftlicher Sicht zur Diskussion gestellt und Ansätze für neue – auch Disziplinen übergreifende – Forschungsfragen vorgestellt. Der umfassende Forschungsgegenstand ist die Frage, in welcher Form eine europäische Einheit trotz bestehender und verbleibender Unterschiedlichkeit der Staaten nachhaltig möglich ist. Im ersten Beitrag über sozialwissenschaftliche Integrationstheorien (Andreas Busch) geht es darum, inwieweit der (Neo-)Funktionalismus oder der Intergovernmentalismus hilfreiche Theorien sind, um die aktuellen Desintegrations- und Krisentendenzen in der Europäischen Union zu erklären. Aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht (Renate Ohr) wird untersucht, ob die europäische Integration trotz der ex ante Heterogenität zwischen den beteiligten Volkswirtschaften ex post zu mehr wirtschaftlicher Konvergenz führen kann. Im Beitrag „Integration durch Recht“ (Frank Schorkopf) wird deutlich gemacht, dass soziale, gesellschaftliche und wirtschaftliche Integration nicht allein durch Normen geschaffen werden kann und eine europäische politische Gemeinschaft nicht allein durch Recht verordnet werden kann.

Akademiesitzung ; (Göttingen) : 2017-01-13

Publikationstyp: Sammelband

Sparte: Sonstige

Sprache: deutsch

ISBN: 978-3-86395-318-8 (Print)

URN: urn:nbn:de:gbv:7isbn-978-3-86395-318-8-5